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Status Quo der DE Domain und was machen die neuen nTLDs

Autor: HOSTTEST-Redaktion   | 20.04.2023

denic logoWährend des CloudFests 2023 hatten wir Gelegenheit, mit Thomas Keller, Vorstandsmitglied der DENIC eG, über die .de-Domain zu sprechen und die Entwicklungen der Branche zu diskutieren, insbesondere im Hinblick auf die neuen Top-Level-Domains (nTLDs), die in den letzten Jahren die Domainlandschaft verändert haben. Thomas Keller ist seit 2021 Vorstandsmitglied bei DENIC.

Hallo Tom, erstmal vielen lieben Dank für deine Zeit. Kannst du unseren Lesern kurz die Entstehungsgeschichte der Deutschen Domainregistrierungsstelle DENIC näher bringen?

Die DENIC eG wurde 1996 als zentrale Registrierungsstelle für Domains unterhalb der Top Level Domain .de gegründet. Zuvor, seit 1986, wurden .de-Domains, die deutsche Länderkennung im Internet, von den Universitäten Dortmund und Karlsruhe verwaltet.

Im Dezember 1996 beschließt eine Gruppe deutscher Internet Service Provider die Gründung einer Genossenschaft, um eine zentrale Verwaltung der .de-Domains zu gewährleisten. Heute ist DENIC eine der größten Registries mit über 17,5 Millionen Domain-Registrierungen.

Anders als bei anderen Registrierungsstellen ist DENIC eine Genossenschaft. Kannst du einmal die Vorteile beschreiben?

DENIC ist eine Genossenschaft, die von ihren rund 300 Mitgliedern getragen wird. Alle Mitglieder sind unabhängig von ihrer Größe gleichberechtigt und können mitbestimmen. Diese demokratische Struktur ist eine zentrale Stärke unserer Organisationsform.
Zudem ist DENIC nicht gewinnorientiert, sondern verfolgt das Ziel, die .de-Infrastruktur im Interesse der Internet-Gemeinschaft zu fördern und weiterzuentwickeln.
Ein weiterer Vorteil ist unsere Selbstregulierung. D.h. DENIC ist unabhängig von staatlichen Stellen und anderen Interessengruppen. Wir Handeln auf Basis der Marktexpertise unserer Mitglieder und Konsensfindung auf einer breiten Basis.
Insgesamt ist die Organisationsform der Genossenschaft ein wichtiger Erfolgsfaktor der .de-Domains.

Wie siehst du die Entwicklung der .de-Domain in den letzten Jahren?

Wir verzeichnen von Beginn an Wachstum, das nach den ersten Boomjahren zuletzt abgeflacht ist. Mit dem Ausbruch der Pandemie hat sich die allgemeine Digitalisierung deutlich verstärkt, was sich auch in der Entwicklung von .de zeigt. Im Jahr 2020 stieg die Zahl der .de-Domains im Vergleich zum Vorjahr um rund 2,3 und im Jahr 2021 sogar um 2,8 Prozent. Die positive Entwicklung setzte sich auch 2022 fort, jedoch auf abgeschwächtem Niveau von 1,5 Prozent.

Eine Erklärung für diese Entwicklung ist sicher die breite Digitalisierung. Viele Unternehmen haben in den letzten Jahren erkannt, dass eine starke Online-Präsenz entscheidend für den unternehmerischen Erfolg ist. Die .de-Domain ist dabei eine Basisressource. So waren beispielsweise durch die Corona- Pandemie und die damit verbundenen Lock-Downs viele Unternehmen gezwungen, ihre Aktivitäten ins Internet zu verlagern. Dies führte zu einer erhöhten Nachfrage nach .de-Domains.

Thomas Keller denic

Bild: Thomas Keller, Vorstandsmitglied DENIC eG

Ich habe das Gefühl, dass der Domain-Markt mit möglichen Endungen (nTLDs) teilweise überschwemmt wurde. Wie siehst du das Wachstum der nTLDs in den letzten Jahren?

Es gibt verschiedene Ansichten zu diesem Thema. Das Wachstum der nTLDs ist im Vergleich zum Wachstum der .de-Domains sehr gering. (bezogen auf Registrierungen aus Deutschland). Aktuell sehen wir ca. 25.000 .de-Neuregistrierungen pro Monat. Bei den nTLDs sind es nur ca. 500 Neuregistrierungen pro Monat.

Es ist jedoch wichtig zu erwähnen, dass nTLDs für bestimmte Zwecke oder Zielgruppen nützlich sein können. Beispielsweise kann eine nTLD wie .hamburg, sinnvoll sein, wenn gezielt ein lokales Klientel angesprochen werden soll. Insgesamt hängt die Wahl der Domainendung von den individuellen Bedürfnissen und Zielen des Domaininhabers ab.

Würdest du empfehlen, die eigene Domain unter verschiedenen nTLDs zu registrieren (z.B. hosttest.online oder hosttest.blog)?

Dies kann durchaus Sinn machen, da Nutzer Domainendungen mitunter auch mal vergessen. Eine Marke sollte daher ein dem Wert der Marke angemessenes Domainportfolio besitzen. In Deutschland gehört eine .de auf jeden Fall dazu, da dies intuitiv von den meisten deutschen Nutzern eingegeben wird.

Siehst du eine Bedrohung für die .de-Domain durch die neuen nTLDs, dass z.B. Nutzer statt der .de- Domain eine spezifischere Domainendung wie .shop verwenden und die .de-Domain löschen?

Die nTLDs können eine sinnvolle Ergänzung im Domain-Portfolio sein. Die .de-Domain ist die am häufigsten registrierte Top-Level-Domain in Deutschland mit einem Marktanteil von 69 Prozent. Viele deutsche Unternehmen setzen auf die .de-Domain, um ihre Online-Präsenz zu etablieren und ihre Markenbekanntheit zu steigern. Ich sehe die nTLDs eher als komplementär zur DE-Domain.

Letzte Frage: Letzte Frage: Das Aufkommen der großen Anzahl an neuen Domainendungen müsste doch eigentlich den Wert einer bestehenden Domain mindern. Wie siehst du das Thema?

Nein, wir sehen keinen Werteverfall, auch in einer sich verändernden Domainlandschaft ist eine .de- Domain eine wertstabile Entscheidung.

Vielen lieben Dank für das Interview und deine Zeit!

Das Interview führte Marco Keul, Gründer und Betreiber von hosttest.de

Mehr Informationen was die DENIC macht und die tagesaktuelle de-Domain-Statistik findet ihr unter https://www.denic.de/

 

 

 

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