Umlautdomain - Wie sinnvoll ist der Einsatz von Sonderzeichen?

Autor:   |  05.09.2019


Umlautdomains - sinnvoll?Bei einer Umlautdomain handelt es sich um eine Internetadresse, die Sonderzeichen wie ä, ö oder ü beziehungsweise ß enthält. Diese Art von Domains ist theoretisch bereits seit dem Jahr 2002 möglich, wurde in der Vergangenheit aber lange vernachlässigt. Im erweiterten Sinn kann eine Umlautdomain auch aus anderen Sonderzeichen bestehen, die nicht in der ASCII Tabelle definiert sind. Im Unterschied zu einer internationalen Domain spricht sie in erster Linie ein regionales Publikum an.

Inhaltsverzeichnis

Ursprung der Umlautdomain liegt in einer steigenden Regionalisierung
Technische Funktionsweise einer Umlautdomain
Umlautdomain litt lange unter technischen Problemen
Verwendung der Domain ist auf spezielle TLD beschränkt
Praktische Vorteile einer Umlautdomain
Entscheidende Nachteile einer Umlautdomain
Fazit: Wie sinnvoll ist eine Domain mit Umlauten?

Ursprung der Umlautdomain liegt in einer steigenden Regionalisierung

Bei der Einführung der internationalen Domains gingen die Verantwortlichen noch von einem kleinen, begrenzten und überschaubaren Bedarf aus. So waren anfangs nur etwa eine handvoll Endungen (Top Level Domains, TLD) vorgesehen, die nach und nach zunächst um die aus zwei Buchstaben bestehenden, länderspezifischen Kürzel und in einem weiteren Schritt um die neuen Top Level Domains (nTLD) ergänzt wurden. Im Vergleich zu diesen Neuerungen hat die Umlautdomain für lange Zeit nur eine geringe Resonanz erfahren - erst seit etwa 2015 verzeichnen die verantwortlichen Registrierstellen (Registrars) eine kontinuierliche steigende Nachfrage an diesem Typ. Ein späterer Domainwechsel kann allerdings schwierig werden. Mehr zu diesem Thema in unserem separaten Beitrag.

Ursprünglich war der Sinn der Umlautdomain weniger eine Ausweitung der möglichen Domainnamen, als vielmehr die Regionalisierung bestimmter lokaler Angebote und die Möglichkeit, national genutzte Buchstaben zu verwenden. Während sich zum Beispiel deutsche Umlaute noch relativ einfach durch Kombinationen wie ae oder ue chiffrieren lassen, existieren nicht in allen Sprachen solche verbindlichen Regelungen für die Transkription von Sonderzeichen. Vollständig unmöglich ist dies sogar bei bestimmten Zeichensprachen, die nicht auf der Phonetik beruhen - beispielsweise bei traditionellen oder modernen chinesischen Schriftzeichen.

Technische Funktionsweise einer Umlautdomain

Ein Nachteil der standardisierten Auflösung von Internetadressen ist, dass diese ausschließlich das lateinische Alphabet, die Zahlen 0 bis 9 und Minus als Bindestrich anhand der dazu gehörigen ASCII-Zeichen umwandelt. Aus diesem Grund ist eine direkte Erweiterung um Umlaute, Sonderzeichen oder nicht-europäische Schriftzeichen nicht möglich. Die Unmöglichkeit zur Verwendung von Zeichen außerhalb der standardisierten Tabelle beseitigen Internationale Domain Name Converter (IDN Konverter). Sie verwenden den sogenannten Punycode, der 2003 eingeführt wurde. Er wandelt Sonderzeichen aus dem internationalen Unicode-Format in mit ASCII kompatible Kombinationen aus Buchstaben um. Anschließend erstellt der IDN Konverter aus diesen eine gültige Domainadresse, die sich durch das Kürzel XN- an ihrem Anfang erkennen lässt.

Bei einem Aufruf wandelt der Browser deshalb zunächst eine Umlautdomain in einen Punycode um, aus dem der IDN Konverter anschließend die korrekte URL in lateinischer Schrift ableitet. Anschließend wird dieser für Menschen nur schwer merk- und lesbare IDNA-String für die interne Kommunikation verwendet, ohne dass ein Nutzer von dieser Umwandlung Notiz nimmt. Durch dieses Vorgehen lassen sich alle erfassten Sprachen in einem mit Internetadressen kompatiblen Format darstellen, darunter zum Beispiel:

  • Traditionelle und vereinfachte chinesische Schriftzeichen (Hanzi)
  • Japanische Zeichen und Silbenschriften (Kanji, Hiragana, Katkana)
  • Das koreanische Alphabet (Hangul)
  • Europäische Sonderzeichen z. B. in Deutsch, Französisch, Spanisch oder in skandinavischen Sprachen
  • Das kyrillische Alphabet
  • Konsonantenschriften wie Arabisch oder Hebräisch

Umlautdomain litt lange unter technischen Problemen

Lange Zeit war die Umlautdomain für nahezu alle Zwecke weitgehend uninteressant, weil die Browser die automatische Umwandlung mithilfe von Punycode und IDN Konverter gar nicht oder nur sehr rudimentär beherrschten. Diese Situation hat sich mittlerweile gewandelt: Heute unterstützen alle bekannten Browser in ihrer aktuellen Version die Umlautdomain ohne externe Hilfsmittel wie Plug-ins. Gleiches gilt für Nameserver (DNS) und die weitere technische Infrastruktur. Es besteht deshalb aus technischer Sicht keine Einschränkung, die den Verzicht auf eine Domain mit Umlauten für eine Webseite notwendig machen oder rechtfertigen würde.

Anders sieht es hingegen bei der E-Mail aus! Nach wie vor beherrschen nicht alle für den Empfang und für den Versand verwendeten Programme die korrekte Umwandlung von Adressen mit einem IDN Konverter. Einige besitzen nicht einmal die Möglichkeit, Punycode zu erzeugen und diesen für die Darstellung der Adressen zu verwenden. Dies gilt sowohl für Namensbestandteile wie für die Domain. Deshalb ist es empfehlenswert, bei der Kommunikation über E-Mail auf eine Umlautdomain zu verzichten und stattdessen eine Adresse mit einer Standarddomain zu verwenden.

Verwendung der Domain ist auf spezielle TLD beschränkt

Bestimmte Sonderzeichen können nur in Verbindung mit einer speziellen TLD verwendet werden. Es liegt in der Verantwortung jedes Registrars wie der ICANN oder deutschen DENIC, welche Zeichen er akzeptiert. Das Problem liegt dabei weniger in der technischen Umsetzung, sondern in der ersten Linie, welche Zeichen er bei der Registrierung grundsätzlich akzeptiert. Diese sind in der Regel auf den lokalen Markt ausgerichtet - so ist es zum Beispiel nicht möglich, bei der DENIC eine .de Domain mit chinesischen Zeichen oder in einem fremden Alphabet zu registrieren. Stattdessen erlaubt die DENIC insgesamt 93 unterschiedliche Symbole, bei denen es sich immer um Varianten eines lateinischen Buchstabens handelt. Die ICANN wiederum macht es von der Endung abhängig, welche Schriftarten sie bei einer TLD zulässt. Sie gestattet beispielsweise die Verwendung einer .info oder .com Domain mit deutschen Umlauten, die Verwendung des nur in Deutschland verwendeten ß lässt die ICANN jedoch nicht zu.

Praktische Vorteile einer Umlautdomain

Der größte Vorteil einer Umlautdomain ist mit Sicherheit seine primäre Eigenschaft - sie ermöglicht die Verwendung von Sonderzeichen für einen lokalen und begrenzten Markt. Dadurch eröffnen sich unterschiedliche Optionen, in ihrer Umschreibung bereits nahezu vollständig vergriffene Begriffe durch den Einsatz von Umlauten zu reservieren. Mit Umlauten stehen deshalb heute noch einige sehr attraktive Domains zur Verfügung , die sonst nur gegen einen hohen Preis auf dem privaten Markt gehandelt werden. Einige Beispiele für einen solchen Begriff sind Selbstständigkeit, Ärzte, Mühle oder Märkte. Das Interesse an der Umlautdomain wächst allerdings seit spätestens 2015 stark und kontinuierlich an, so dass hochwertige Namen langfristig auch bei diesen nicht mehr zur Verfügung stehen dürften.

Entscheidende Nachteile einer Umlautdomain

Den Vorteilen einer Umlautdomain stehen jedoch ebenfalls einige gravierende Nachteile entgegen. Zwei davon zeigen sich besonders entscheidend für die Frage, ob die Verwendung sinnvoll ist oder nicht.

Der erste Nachteil besteht in der schlechten Aufrufbarkeit durch internationale Nutzer. Zwar können prinzipiell alle Nutzer eine entsprechende Domain in ihrem Browser aufrufen, die direkte Eingabe der Domain als Adresse ist aber nur bei Verwendung der entsprechenden Tastatur möglich. Wegen des hohen Aufwands scheuen die meisten Nutzer deshalb davor, eine Umlautdomain direkt einzutippen, falls sie nicht aus demselben Sprachraum stammen oder eine internationale Tastenbelegung verwenden.

Der zweite Nachteil besteht in den Beschränkungen bei der Verwendung von E-Mails. Über eine langfristige Zeitspanne hinaus eignet sich eine Umlautdomain nicht für die Kommunikation. Bei der Adresseingabe entstehen neben dem bereits aufgeführten Problem bei der Eingabe weitere durch eine unzureichende Unterstützung der Software.

Ein weiterer Einwand stellt eine intensive Tätigkeit in sozialen Netzwerken dar. Auch große Plattformen wie beispielsweise Twitter oder Facebook lösen eine Umlautdomain nicht korrekt auf und stellen diese mit ihren Punycode oder der vom IDN Konverter erstellten Adresse dar, statt die Umlaute korrekt einzufügen. Dadurch relativieren sich die Vorteile deutlich, falls eine Domain vornehmlich über soziale Netzwerke vermarktet und verbreitet werden soll.

Fazit: Wie sinnvoll ist eine Domain mit Umlauten?

Es hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, ob eine Umlautdomain eine sinnvolle Entscheidung ist. Als alleiniger Auftritt kann sie unter Umständen die eigene Reichweite unerwünscht einschränken und eine spätere Expansion erschweren. Empfehlenswert ist deshalb zunächst eine Kombination der Umlautdomain mit einer internationalen Internetadresse. Dabei verweist eine der beiden Instanzen auf die Hauptpräsenz. Durch dieses Vorgehen lassen sich die meisten Nachteile ohne Nebeneffekte kompensieren und attraktive Domainnamen frühzeitig an die eigene Webseite binden. Durch unseren Domaincheck können Sie direkt herausfinden ob Ihre Umlautdomain noch verfügbar ist.

Foto: JanBaby pixabay.com