Interview mit
Jean Michel Bruenn, Geschäftsführer
von ip-minds.de
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Informationen: Das Interview wurde am
08.12.06 geführt und beschäftigt sich mit der Frage wie ein kleines
Webhostingunternehmen konkurrenzfähig bleiben kann. |
ht: Bitte beschreiben Sie kurz Ihre Firma für
unsere
Leser.
ip: Meine Firma ist sehr flexibel, das fängt an bei der Erstellung von
individuellen Angeboten und geht über spezielle Konzepte die direkt auf den
Kunden zugeschnitten sind. Wir haben uns über die letzten
Jahre stark
entwickelt.
Derzeit besteht meine Firma aus mir, einigen freien Mitarbeitern
und Partnerfirmen. Dieser 'Zusammenschluss' ermöglicht eine optimale Ergänzung. Im Bereich der Gestaltung von Internetseiten zum Beispiel, profitieren unsere Kunden nicht nur durch mein Know How, sondern auch von dem meiner Mitarbeiter. In unseren
Partnerfirmen haben wir Marketing-Experten, Suchmaschinenoptimierer und Programmierer aus den verschiedensten Bereichen, die
bei Projekten ideal zusammenarbeiten, wenn es das jeweilige Projekt
erfordert.
Auch im Webhosting und Server Bereich läuft es ähnlich. Manche
Kunden möchten spezielle Lösungen die direkt auf den Kunden zugeschnitten sind, durch Partnerschaften und freie Mitarbeiter kann
der Kunde bei uns eine wirklich einheitliche Betreuung bekommen,
ohne das dieser sich X verschiedene Firmen suchen muss (Angefangen bei einem Webhosting Paket, über eine Internetseite und einen
eigenen Server, bis hin zu Flyern, Visitenkarten und einer speziellen Software Lösung, beispielsweise für die lokale Anbindung in die
Warenwirtschaft).
ht: Sie sind seit 3 Jahren auf dem Markt. Beschreiben Sie
bitte Ihre persönlichen Höhen und Tiefen dieser Zeit.
ip: Eine interessante Frage. Erstmal muss differenziert werden, was Höhen und Tiefen sind. Ich habe vor eineinhalb Jahren eine Anfrage
von einem größerem Unternehmen bekommen, diese Firma hat mich
mit aktuellen Providern verglichen und ich ging im Preis und Leistungsverhältnis als Sieger hervor. Man entschied sich schlussendlich
gegen mich als Dienstleister, da man mich zu der Zeit noch zu den
Newcomern zählte. Nach vier Jahren 'auf dem Markt' zählt man
mich wahrscheinlich immer noch zu den Newcomern. Für mich war
das ein Tief, wenn es geklappt hätte, hätte ich meinen ersten Großkunden gehabt.
Natürlich geht es bei Ihrer Frage aber eher um Probleme in den 4
Jahren die sich aufgetan haben. Jedes Unternehmen, jeder Gewerbetreibende hat Höhen und Tiefen, auch nach 10 Jahren und ich denke,
es verhält sich bei mir ähnlich wie bei anderen Unternehmen: Die
meisten Fehler, macht man nur einmal und man lernt daraus. So
kann ich behaupten, die Tiefen gut verarbeitet zu haben.
Und die Höhen, wir sind kein Massenhoster und kein Discounter,
wenn ich einen Screen sehe "Hier entsteht eine neue Internetpräsenz"
und weiss, das ich das Hosting bereitstelle, freue ich mich noch immer
wie bei meinem ersten Kunden.
Ich habe in den ersten Jahren viele Kunden aus dem Bekanntenkreis,
sowie viele Kunden die mir als 'Newcomer' und 'Existenzgründer'
vertrauten, gehabt. Dafür kann ich mich bei allen Kunden bedanken.
So war es immer mal ein Hoch, wenn mehrere Kunden kamen. Und
immer mal ein Tief wenn diese ausblieben oder sich bei unseren
Dienstleistern Preise und Leistungen geändert haben.
Es stellte sich aber nie die Frage "weitermachen oder aufhören". Sicherlich spielen die
finanziellen Möglichkeiten auch eine große Rolle,
aber die meisten wissen, das man in den ersten 3 Jahren glücklich
sein kann wenn man bei +-0 liegt. Es sei denn man hat eine gute
einschlägige Idee und bestenfalls eine Marktlücke gefunden.
ht: Kann man nur alleine von Webhosting „überleben“?
ip:Das ist eine Frage des Systems und der Kundenanzahl.
Grundsätzlich wird aber jeder diese Frage mit einem klarem Nein
beantworten. Ich habe Webhosting ursprünglich auch nicht angeboten. Meine ersten 5 Kunden hatten teilweise Probleme mit Ihren Webhostern. Da entstand die Idee, selber Webhosting und Domains
zusätzlich zum Webdesign anzubieten, so dass unsere Kunden die
nötigen Dienstleistungen aus einer Hand und nicht über unzählige Firmen verteilt beziehen können. Unser Schwerpunkt lag in der
Programmierung von Webanwendungen sowie der Gestaltung von
Internetseiten. Unser Leistungsspektrum entstand aus der
Nachfrage von Kunden. Wir entwickeln uns fortlaufend weiter, vernachlässigen
aber nicht unseren 'Ursprung'. So tauchen die Visitenkarten nicht
auf unserer Website auf - Die Nachfrage ist zu gering und die Konkurrenz ist zu groß und kostengünstiger. Wir setzen bei all unseren
Dienstleistungen auf Qualität und können einen deutlich höheren
Preis somit rechtfertigen. Der normale Kunde möchte es aber möglichst günstig. Das hängt mit dem "Geiz-ist-Geil"-Syndrom zusammen. Ich persönlich
finde es Schade, das immer weniger Menschen
für Qualität zahlen möchten, wobei wir auch viele Kunden haben,
die gerne mehr zahlen, weil sie wissen, was sie dafür bekommen.
ht: Sie haben sich mit 18 Jahren Selbstständig
gemacht. Würden Sie dieses noch einmal machen? Welche Ausbildung
hatten Sie?
ip: Ich für meinen Teil würde es wieder machen. Zu der Zeit sagte mir
jeder, dass es nicht so einfach sei und ich es mir möglicherweise zu
einfach vorstelle, dass habe ich aber nicht. Ich habe oft mitbekommen
das sich Jugendliche selbständig gemacht haben, viele davon haben
es geschafft, viele davon waren 1 Jahr später arbeitslos und haben
wichtige Zeit verloren.
Nachdem ich den Hauptschulabschluss gemacht habe, habe ich 1
Jahr lang an einer privaten kaufmännischen Schule verbracht. Diese konnte ich leider aus
finanziellen Gründen damals nicht beenden.
Eine Ausbildung habe ich ebenfalls nicht, trotzdem führe ich professionellen Kundenkontakt, erstelle Datenbanklayouts, kümmere mich
um die Buchhaltung, uvm. Nebenbei arbeite ich in einer etablierten
Firma als Systemadministrator im Serverbereich und als Programmierer für Webanwendungen, ich würde also nicht sofort behaupten
das ein Hauptschüler oder jemand ohne Ausbildung "nichts kann".
Die heutigen Einstellungsmerkmale kann ich beim besten Willen
nicht nachvollziehen.
Ich habe mich überwiegend mit praktischer Arbeit in vielen EDV-
Firmen, sowie aus Büchern weitergebildet. Seit ich 8 bin hantiere ich
mit Computern und kann daher auf einiges an Erfahrung zurückgreifen. Mein Berufswunsch war IT-Systemelektroniker,
mit 12 fing ich an Internetseiten zu erstellen, mit 16 haben
diese Seiten auch eine gewisse Professionalität erhalten.
Mittlerweile gehe ich immer mehr in die Bereiche Programmierung
und Systemadministration, wobei mir
Netzwerke und Hardware nicht fremd sind.
ht: Im Vergleich zur Konkurrenz. Welche Vorteile können Sie Ihren Kunden bieten?
ip: Meiner Meinung nach der persönliche Service, individuelle Lösungen, sowie ehrliches Business. Das sind die 3 Hauptpunkte die ich
auch von meinen Kunden immer zu hören bekomme. Wir bieten unseren Kunden immer einen Ansprechpartner für die jeweiligen Gegebenheiten
an, wir beraten unsere Kunden nicht nur, wir unterstützen
sie auch und entwickeln zusammen mit dem Kunden Lösungen die
auf diesen zugeschnitten sind. Wir sehen uns nicht als Discounter,
und nicht als Massenhoster, alles was wir unseren Kunden zusagen,
bekommt der Kunde auch - Das ist auch ein Grund warum wir keine virtuellen
Server mit X Prozent Leistung anbieten. Die meisten unserer Kunden
finden
es gut, dass wir auch nicht zurückschrecken wenn mal nach etwas
Speziellem gefragt wird. Beispielsweise bieten wir unseren Kunden im Webhosting Bereich auch an, dass diese sich PHP und den Apache aussuchen können (Apache 1.3 + php4 und Apache 2 + php5).
Das ganze könnte man als "Stable" und "Performance" sehen, wobei
beide Varianten stabil sind.
Vor ca. 2 Jahren hatten wir die lustigste Kundenanfrage. Ein Kunde
fragte ob es möglich sei, ihm einen "IMAP-Account" zu verkaufen,
keine Domain, kein Webhosting nur diesen Mail Account. Der Kunde
ist seither zufrieden mit uns, mehr muss ich dazu nicht sagen, oder?
ht:
Was sind Ihre Zukunftspläne?
ip: Wir arbeiten momentan immer mehr im eCommerce und im Server
Bereich. Wir werden uns in der Zukunft auf diese beiden Bereiche
konzentrieren, solange es die anderen Bereiche nicht negativ beeinflusst. Derzeit arbeiten wir an einer loadbalancing Lösung für unsere
Webhosting Kunden die teilweise schon läuft. Mit unserem Umzug
in ein neues Rechenzentrum in Frankfurt am Main, Anfang des Jahres, haben wir schon einen großen Schritt in die richtige Richtung
gemacht. Die hochperformence Anbindung ist nur ein kleiner von
vielen Vorteilen.
ht:
Ich bedanke mich ganz herzlich für Ihre Zeit und
wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg.
ip:
Ich danke ebenfalls für das Interview.
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